PV-Anlage richtig dimensionieren: kWp, Dachfläche und Ausrichtung
Von Manuel Digeronimo · 12. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Die Größe einer Photovoltaikanlage wird in Kilowatt-Peak (kWp) angegeben. Das ist die Leistung der Module unter genormten Testbedingungen. Wie viel kWp sinnvoll sind, hängt von deiner Dachfläche, der Ausrichtung, deinem Stromverbrauch und den Regeln für die Einspeisung ab. Hier findest du die wichtigsten Kennzahlen und einen Rechenweg.
Wie viel Fläche braucht ein kWp?
Kommerzielle kristalline Module hatten 2024 laut Fraunhofer ISE im Mittel einen Wirkungsgrad von 22 Prozent. Das entspricht rund 220 Watt pro Quadratmeter Modulfläche. Ein aktuelles Modul mit 430 bis 450 Wp ist damit etwa 2 m² groß.
- Reine Modulfläche: rund 4,5 m² pro kWp. Ein Beispiel des Fraunhofer ISE mit zehn 400-Wp-Modulen auf 18 m² ergibt denselben Wert.
- Benötigte Dachfläche: Durch Abstände zwischen den Modulen, zum First, zur Traufe und zu Dachfenstern wird mehr Fläche gebraucht. Die Verbraucherzentrale NRW rechnet mit 5 bis 7 m² pro kWp.
Auf ein Satteldach mit 40 m² gut nutzbarer Fläche passen damit grob 6 bis 8 kWp. Wie viele Module es genau sind, hängt vom Raster ab. Das klärst du am besten mit dem Solarplaner, der die Module maßstäblich auf deine Dachfläche legt.
Was ein kWp im Jahr erzeugt
Der spezifische Ertrag gibt an, wie viele Kilowattstunden ein kWp im Jahr liefert. Für PV-Dachanlagen in Deutschland nennt das Fraunhofer ISE im Trendszenario 922 Vollbenutzungsstunden. Das entspricht 922 kWh pro kWp. Die Verbraucherzentrale NRW rechnet in ihrem Beispiel mit 900 kWh pro kWp. Im Süden Deutschlands liegt der Wert eher darüber, im Norden eher darunter.
Für eine erste Planung kannst du bei einem unverschatteten Süddach mit rund 900 bis 950 kWh pro kWp rechnen. Verschattung durch Gauben, Kamine, Bäume oder Nachbarhäuser senkt den Ertrag deutlich und sollte vor Ort geprüft werden.
Süd oder Ost-West?
Ein Süddach liefert den höchsten Jahresertrag. Das Maximum ist aber flach: Kleine Abweichungen nach Südost oder Südwest kosten kaum Ertrag. Ost- oder Westdächer bringen laut co2online rund 18 bis 24 Prozent weniger. Eine Simulation der HTW Berlin aus dem Jahr 2019 kam auf rund 800 kWh pro kWp bei Ost-West gegenüber etwa 960 kWh pro kWp bei Süd.
| Kriterium | Süd | Ost-West |
|---|---|---|
| Ertrag pro kWp | am höchsten | rund 18 bis 24 % niedriger |
| Nutzbare Dachfläche | eine Dachseite | beide Dachseiten |
| Erzeugung über den Tag | starke Mittagsspitze | flacher, morgens und abends mehr |
| Eigenverbrauch | geringerer Anteil | tendenziell höherer Anteil |
| Wechselrichter | auf volle Leistung ausgelegt | kann laut HTW etwa 30 % kleiner sein |
Weil Ost-West beide Dachseiten nutzt, ist die Gesamtanlage oft größer. Weil die Erzeugung morgens und abends höher ist, passt sie besser zum Verbrauch im Haushalt. Bei niedriger Einspeisevergütung kann Ost-West deshalb wirtschaftlich ähnlich gut abschneiden. Norddächer eignen sich kaum.
Die richtige Neigung
Optimal sind laut Verbraucherzentrale NRW eine Südausrichtung und rund 30 Grad Neigung. co2online nennt etwa 35 Grad für Süddächer und 25 Grad für Ost-West-Dächer. Neigungen unter 25 oder über 60 Grad können den Ertrag um bis zu 10 Prozent senken. Auf Flachdächern werden die Module aufgeständert. Dort kannst du zwischen Süd und Ost-West wählen. Ost-West-Aufständerungen sind flacher, verschatten sich weniger gegenseitig und bringen mehr Module auf die Fläche.
Eigenverbrauch: Wie groß ist sinnvoll?
Der Eigenverbrauchsanteil ist der Anteil des erzeugten Stroms, den du selbst nutzt. Er sinkt, je größer die Anlage im Verhältnis zum Verbrauch ist. Die Verbraucherzentrale NRW nennt für einen Vier-Personen-Haushalt mit 5 kWp etwa 20 bis 30 Prozent Eigenverbrauch ohne Speicher und 50 bis 60 Prozent mit Batteriespeicher. Eine Wärmepumpe oder ein E-Auto erhöht den Anteil.
Die HTW Berlin hat ermittelt, dass eine Anlage über etwa 2 kWp pro 1 000 kWh Jahresverbrauch den Autarkiegrad kaum noch steigert. Größer zu bauen kann trotzdem sinnvoll sein, weil größere Anlagen pro kWp günstiger sind. Fixkosten wie Gerüst und Zählertechnik verteilen sich auf mehr Leistung.
Wichtig für die Planung ist, wie überschüssiger Strom vergütet wird. Für Anlagen, die bis Ende 2026 in Betrieb gehen, gilt laut Verbraucherzentrale NRW seit 1. August 2026 eine Vergütung von 7,70 Cent pro kWh bis 10 kWp. Für Anlagen ab dem 1. Januar 2027 hat die Bundesregierung eine EEG-Novelle vorgelegt, nach der die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen schrittweise auslaufen und durch Direktvermarktung und befristete Übergangszahlungen ersetzt werden soll. Stand 12. Oktober 2026 ist das Gesetz noch nicht beschlossen. Rechne die Wirtschaftlichkeit deshalb vor allem über den Eigenverbrauch und lass dir Angebote für eine Inbetriebnahme 2026 und 2027 getrennt kalkulieren. Mehr dazu im Artikel zu Einspeisevergütung und Solarspitzengesetz.
Abstände, Randbereiche und Statik
- Brandwände bei Doppel- und Reihenhäusern: Die Landesbauordnungen schreiben Abstände der Module zu Brandwänden vor. In Hessen sind es zum Beispiel 0,50 m, wenn die Module höchstens 0,30 m über der Dachhaut liegen, sonst 1,25 m. Für kleine Wohngebäude der Gebäudeklassen 1 und 2 entfällt dort der Abstand. Die Regeln unterscheiden sich je Bundesland.
- Dachränder: An Ortgang, First und Traufe wirken höhere Windsogkräfte. Der Montagesystem-Hersteller legt fest, welche Randbereiche frei bleiben oder zusätzlich befestigt werden müssen.
- Statik: Module mit Unterkonstruktion wiegen etwa 10 bis 15 kg pro m². Dazu kommen Wind- und Schneelasten. Im Neubau lässt du das am besten gleich in der Tragwerksplanung berücksichtigen.
- Dachfenster, Kamine und Lüfter: Sie unterbrechen die Modulfelder und werfen Schatten. Lege sie möglichst gebündelt auf eine Dachseite oder an den Rand.
Beispielrechnung: Einfamilienhaus mit Süddach
Ein Neubau mit Satteldach hat auf der Südseite 40 m² nutzbare Fläche. Der Haushalt verbraucht 4 000 kWh im Jahr, eine Wärmepumpe ist nicht eingeplant.
- Module: 40 m² geteilt durch rund 2,2 m² pro Modul inklusive Fugen ergibt 18 Module.
- Leistung: 18 Module mal 440 Wp ergeben 7,9 kWp.
- Ertrag: 7,9 kWp mal 920 kWh pro kWp ergeben rund 7 300 kWh im Jahr.
- Eigenverbrauch: Bei rund 25 Prozent ohne Speicher nutzt der Haushalt etwa 1 800 kWh selbst. Das deckt rund 45 Prozent des Verbrauchs.
- Ersparnis: 1 800 kWh mal 37 Cent ergeben rund 670 Euro weniger Stromkosten pro Jahr. Der Rest wird eingespeist und je nach Inbetriebnahmedatum vergütet.
Kommt später eine Wärmepumpe oder ein E-Auto dazu, steigt der Eigenverbrauch. Deshalb lohnt es sich im Neubau oft, das Dach möglichst voll zu belegen. Wie du die Dachfläche im Planer einträgst und Module anordnest, zeigt die Solarplaner-Anleitung.
Quellen
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung vom 5. Mai 2026
- Verbraucherzentrale NRW: Photovoltaik, was bei der Planung wichtig ist, Stand 26. August 2026
- co2online: Dach, Ausrichtung, Neigung, Alternativen, abgerufen am 12. Oktober 2026
- HTW Berlin: Sinnvolle Dimensionierung von Photovoltaikanlagen für Prosumer, Version 1.2, März 2019
- Hessisches Wirtschaftsministerium: Leitfaden Abstände von Solaranlagen auf Doppel- und Reihenhäusern, Stand November 2025
- Solaranlage-Ratgeber: EEG-Novelle 2027, Anhörung im Bundestag, abgerufen am 12. Oktober 2026
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Bauberatung. Zahlen und Regeln können sich ändern.
Über den Autor
Manuel Digeronimo plant und baut gerade selbst ein Einfamilienhaus. Aus diesem Projekt sind die Rechner und Planer von BetonBilanz entstanden. In den Artikeln schreibt er auf, was er dabei recherchiert und nachgerechnet hat. Mehr über BetonBilanz