Lüftungskonzept und Lüftungsanlage im Neubau
Von Manuel Digeronimo · 13. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Ein Neubau ist luftdicht gebaut, und das ist gewollt: Jede undichte Stelle kostet Heizenergie und kann Bauschäden verursachen. Die Kehrseite: Feuchtigkeit aus Kochen, Duschen und Atmen kann nicht mehr von selbst durch Ritzen entweichen. Wird nicht ausreichend gelüftet, steigt das Risiko für Schimmel. Deshalb gehört zu jedem Neubau ein Lüftungskonzept.
Was ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 leistet
Die DIN 1946-6 „Lüftung von Wohnungen“ in der Fassung von 2019 regelt, wie viel Luft in einer Wohnung ausgetauscht werden muss. Das Lüftungskonzept prüft, ob der notwendige Luftwechsel ohne Zutun der Bewohner erreicht wird. Wenn nicht, schlägt es Maßnahmen vor: Außenwandluftdurchlässe, eine Abluftanlage oder eine Zu- und Abluftanlage.
Laut Verbraucherzentrale ist ein Lüftungskonzept im Neubau und bei umfangreichen Sanierungen erforderlich, etwa wenn mehr als ein Drittel der Fensterfläche ausgetauscht wird. Für ein Ein- oder Zweifamilienhaus kostet es nach Angaben der Verbraucherzentrale rund 300 bis 400 Euro. Fensterlose Bäder und WCs regelt zusätzlich DIN 18017-3.
Wer mit der KfW fördern lässt, muss es ohnehin vorlegen. Die Technischen Mindestanforderungen zum Klimafreundlichen Neubau verlangen: „Es ist ein Lüftungskonzept zu erstellen“, zum Beispiel nach DIN 1946-6. Der Energieeffizienz-Experte erstellt es und informiert den Bauherrn. Für die Umsetzung der lüftungstechnischen Maßnahmen ist laut KfW der Bauherr verantwortlich.
Die vier Lüftungsstufen
Die Norm unterscheidet vier Stufen. Die beiden ersten müssen nutzerunabhängig funktionieren, also auch dann, wenn niemand ein Fenster öffnet.
| Stufe | Zweck | nutzerunabhängig? |
|---|---|---|
| Lüftung zum Feuchteschutz | Mindestlüftung gegen Feuchteschäden und Schimmel, auch bei Abwesenheit | ja |
| Reduzierte Lüftung | Mindestanforderungen an die Raumluftqualität bei zeitweiser Abwesenheit | ja |
| Nennlüftung | Normalbetrieb bei Anwesenheit, Hygiene und Bautenschutz | nein, Fensterlüftung kann ergänzen |
| Intensivlüftung | zeitweise erhöhte Lüftung, etwa beim Kochen oder mit Gästen | nein |
In einem gut gedämmten, luftdichten Neubau reicht die Undichtigkeit der Hülle für den Feuchteschutz praktisch nie aus. Fast jedes Lüftungskonzept für einen Neubau kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass lüftungstechnische Maßnahmen nötig sind. Ob das eine einfache Abluftanlage oder eine Anlage mit Wärmerückgewinnung wird, entscheidest du.
Systeme im Vergleich
Abluftanlage
Die einfachste Lösung: Ein Ventilator saugt Luft aus Bad, WC und Küche ab, frische Luft strömt über Außenwandluftdurchlässe in Wohn- und Schlafräume nach. Die Wärme der Abluft geht dabei verloren, es sei denn, eine Abluftwärmepumpe nutzt sie. Das Referenzgebäude des Gebäudeenergiegesetzes rechnet mit genau so einer zentralen Abluftanlage.
Zentrale Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung
Ein zentrales Gerät versorgt das ganze Haus über ein Kanalnetz. Die Wärme der Abluft wird in einem Wärmetauscher auf die frische Zuluft übertragen. Laut Verbraucherzentrale lassen sich so über 90 Prozent der Wärme zurückgewinnen, empfohlen wird ein Wärmebereitstellungsgrad von über 80 Prozent. Das Gerät sollte wegen der Geräusche nicht neben Schlafräumen stehen. Die Kanäle musst du früh planen, weil sie in Decken, Estrich oder abgehängten Decken verlaufen.
Dezentrale Lüftungsgeräte
Kompakte Geräte sitzen in der Außenwand und lüften jeweils einen Raum, oft paarweise im Wechselbetrieb. Sie brauchen keine Kanäle, aber eine Kernbohrung und einen Stromanschluss pro Gerät. Die Verbraucherzentrale weist auf häufigere Filterwechsel hin und empfiehlt Geräte mit weniger als 25 dB(A). Für Küche und Bad sind Pendellüfter nicht geeignet. Ihr Vorteil liegt vor allem dort, wo kein Platz für Kanäle ist, etwa bei Sanierungen.
Was eine Lüftungsanlage kostet
Kostenkennwerte des Baukosteninformationszentrums (BKI, Stand 4. Quartal 2024), veröffentlicht von der Bausparkasse Schwäbisch Hall:
| Anlage | Kosten netto (BKI) |
|---|---|
| Zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Neubau rund 150 m² Wohnfläche | ca. 14 000 Euro |
| Dezentrales Gerät mit Wärmerückgewinnung, Neubau, je Stück inkl. Wanddurchführung | ca. 1 400 Euro |
| Dezentrales Abluftgerät, Neubau, je Stück | ca. 400 Euro |
Die BKI-Werte sind statistische Mittelwerte ohne Mehrwertsteuer. Mit 19 Prozent Umsatzsteuer wird aus 14 000 Euro netto ein Bruttobetrag von 16 660 Euro. Regional und je nach Grundriss weichen die Preise ab.
Zu den Betriebskosten nennt die Verbraucherzentrale für ein Einfamilienhaus einen Stromverbrauch von etwa 200 bis 400 kWh pro Jahr. Ein Filtersatz kostet etwa 40 bis 90 Euro pro Jahr, eine Kanalreinigung etwa alle zehn Jahre 400 bis 800 Euro.
Beispielrechnung: zentral oder dezentral
Ein Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche braucht für Wohnzimmer, Esszimmer, drei Schlafzimmer und ein Arbeitszimmer Zuluft. Bad, WC und Küche brauchen Abluft.
- Zentral: rund 14 000 Euro netto, also 16 660 Euro brutto.
- Dezentral: sechs Geräte mit Wärmerückgewinnung je 1 400 Euro = 8 400 Euro netto, plus drei Abluftgeräte für Bad, WC und Küche je 400 Euro = 1 200 Euro. Zusammen 9 600 Euro netto, also 11 424 Euro brutto.
- Betrieb zentral: 300 kWh × 0,30 Euro = 90 Euro Strom plus etwa 60 Euro Filter, zusammen rund 150 Euro pro Jahr.
Die dezentrale Lösung ist in der Anschaffung günstiger, verursacht aber neun Wanddurchbrüche, mehr Filterwechsel und mehr Geräuschquellen in den Räumen. Die zentrale Anlage ist leiser und komfortabler, braucht aber Platz für Gerät und Kanäle. Welche Variante passt, hängt stark vom Grundriss ab.
Lüftungsanlage und Effizienzhaus
Weder das Gesetz noch die KfW schreiben für ein Effizienzhaus eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung vor. Die Technischen Mindestanforderungen der KfW verlangen ein Lüftungskonzept, ein Luftdichtheitskonzept und ein Wärmebrückenkonzept. Eine Anlage mit Wärmerückgewinnung verringert aber die Lüftungswärmeverluste so stark, dass das Effizienzhaus 40 damit deutlich leichter erreichbar ist. Lass deinen Energieberater beide Varianten rechnen: mit Abluftanlage und mit Wärmerückgewinnung. Dann siehst du, was die Anlage an Dämmung oder Anlagentechnik an anderer Stelle einspart. Welche Förderprogramme es aktuell gibt, steht in unserem Artikel zur KfW-Förderung im Neubau.
Mit einer Wärmepumpe harmoniert die Lüftungsanlage gut: Sie senkt die Heizlast, die Wärmepumpe kann kleiner ausfallen. Mehr dazu im Artikel zur Wärmepumpe im Neubau.
Wartung und Hygiene
- Zuluftfilter laut Verbraucherzentrale je nach Luftqualität alle 3 bis 6 Monate wechseln, mindestens einmal pro Jahr. Eine automatische Filterüberwachung ist besser als ein fester Termin.
- Filter der Klasse F7 oder besser halten über 90 Prozent von Pollen und Feinstaub zurück.
- Einmal jährlich Wartung und Reinigung, etwa alle zehn Jahre Kanalreinigung durch einen Fachbetrieb.
- Kanäle während der Bauphase verschließen, damit kein Baustaub hineingelangt, und Revisionsöffnungen vorsehen.
- Einen Kamin oder eine raumluftabhängige Feuerstelle früh mit dem Schornsteinfeger abstimmen.
Quellen
- Verbraucherzentrale: Was müssen Sie für die Planung einer Lüftungsanlage wissen?, Stand 18. November 2025, abgerufen am 13. Oktober 2026
- KfW: Technische Mindestanforderungen Klimafreundlicher Neubau Wohngebäude (297, 298, 300, 498), Stand 03/2023, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Schwäbisch Hall: Was kostet eine Lüftungsanlage? (BKI-Werte 4. Quartal 2024), Stand 26.06.2025, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Stadt Dortmund, Umweltamt: Luftqualität, DIN 1946-6 und Lüftungsanlagen, Vortrag 2025, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Gebäudeenergiegesetz Anlage 1 (Referenzgebäude), lxgesetze.de, abgerufen am 13. Oktober 2026
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Bauberatung. Zahlen und Regeln können sich ändern.
Über den Autor
Manuel Digeronimo plant und baut gerade selbst ein Einfamilienhaus. Aus diesem Projekt sind die Rechner und Planer von BetonBilanz entstanden. In den Artikeln schreibt er auf, was er dabei recherchiert und nachgerechnet hat. Mehr über BetonBilanz