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Fenster im Neubau: U-Wert, Verglasung und Einbruchschutz

Von Manuel Digeronimo · 13. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Fenster sind die schwächste Stelle der Gebäudehülle. Durch einen Quadratmeter Fenster geht ein Vielfaches der Wärme verloren, die durch eine gut gedämmte Wand geht. Gleichzeitig sind sie die bevorzugte Einstiegsstelle für Einbrecher und bestimmen, wie hell und wie warm es im Sommer wird. Im Neubau entscheidest du einmal und lebst Jahrzehnte damit. Laut BHW Bausparkasse halten moderne Fenster im Schnitt rund 40 Jahre.

U-Werte: Uw, Ug und Uf

Der U-Wert gibt an, wie viel Wärme pro Quadratmeter und Grad Temperaturunterschied durch ein Bauteil fließt. Einheit: W/(m²K). Je kleiner, desto besser. Bei Fenstern gibt es drei Werte:

Das Referenzgebäude im Gebäudeenergiegesetz rechnet für Fenster und Fenstertüren mit Uw = 1,3 W/(m²K), für Dachfenster mit 1,4 W/(m²K). Das ist kein Grenzwert für das einzelne Fenster, sondern ein Rechenwert für das Vergleichsgebäude. Seit dem 29. Juli 2026 heißt das Gesetz Gebäudemodernisierungsgesetz. Laut einer Übersicht der Kanzlei Gleiss Lutz wird das Referenzgebäude ab dem 1. Januar 2027 durch ein neues Modell ersetzt. Für die Praxis ändert das wenig: Wer ein Effizienzhaus bauen will, braucht ohnehin deutlich bessere Fenster.

Dreifachverglasung ist Standard

Eine Dreifachverglasung erreicht nach Angaben von Öko-Test Ug-Werte von typischerweise 0,5 bis 0,6 W/(m²K). Ältere Zweifachverglasungen der 1980er-Jahre lagen bei etwa 3 W/(m²K). Das ganze Fenster mit Dreifachverglasung kommt laut BHW auf Uw-Werte bis hinunter zu 0,79 W/(m²K). Moderne Zweifachverglasung schafft gerade das Niveau von 1,3.

Im Neubau, und besonders bei einem geförderten Effizienzhaus 40 oder 55, ist Dreifachverglasung deshalb praktisch Pflicht. Die KfW prüft im Klimafreundlichen Neubau keinen Uw-Wert einzeln, verlangt aber, dass der Transmissionswärmeverlust der Hülle höchstens 55 Prozent des Referenzgebäudes beträgt. Das schaffst du ohne gute Fenster kaum. Achte zusätzlich auf einen „warmen Randabstandhalter“ aus Kunststoff oder Edelstahl statt Aluminium. Er verringert die Kondensatbildung am Glasrand.

Dreifachglas ist schwerer und lässt etwas weniger Sonnenenergie durch. Der g-Wert, also der Anteil der Sonnenenergie, der in den Raum gelangt, liegt im Referenzgebäude bei 0,60. Auf großen Südflächen ist ein höherer g-Wert im Winter ein Gewinn, im Sommer aber ein Problem. Deshalb gehören Fensterwahl und Sonnenschutz zusammen.

Rahmenmaterial: Kunststoff, Holz, Holz-Alu oder Alu

Laut Öko-Test haben in Deutschland rund 60 Prozent der jährlich eingebauten Fenster Kunststoffrahmen. Holzrahmen kommen auf gut 15 Prozent, Metallfenster auf etwa 18 Prozent, Holz-Alu auf rund 9 Prozent.

RahmenPreis im VergleichPflegeHinweis
Kunststoffgünstigste Variantekaum PflegeMehrkammerprofile erreichen gute Uf-Werte
Holzetwa 10 bis 20 Prozent teurer als KunststoffAnstrich alle 7 bis 10 Jahregute Dämmwirkung, natürliches Material
Holz-Aluetwa 30 bis 50 Prozent teurer als Kunststoffgering, Alu-Schale schützt außeninnen Holz, außen witterungsbeständig
Aluminiummeist am teuerstengeringbraucht thermisch getrennte Profile, schlanke Ansichten

Die Preisrelationen stammen aus einem Öko-Test-Ratgeber. Für den Gesamtpreis nennt die BHW Bausparkasse (November 2025) eine Spanne von 280 bis 600 Euro pro Quadratmeter Fensterfläche, je nach Material und Größe, zuzüglich Montage.

Einbruchschutz: RC 2 als Empfehlung der Polizei

Einbruchhemmende Fenster werden nach DIN EN 1627 in Widerstandsklassen von RC 1 bis RC 6 eingeteilt. Die polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt in ihrem Herstellerverzeichnis (Bayerisches Landeskriminalamt, 2025) ausdrücklich Fenster ab RC 2. Die Variante RC 2 N verzichtet auf Sicherheitsglas und ist nach Einschätzung der Polizei nur eingeschränkt empfehlenswert.

Geprüft wird bei RC-Fenstern immer das ganze Element aus Rahmen, Beschlägen und Glas, nicht ein einzelnes Bauteil. Der Schutz wirkt aber nur, wenn das Fenster nach Herstellervorgaben eingebaut ist. Die Polizei rät, sich eine Montagebescheinigung geben zu lassen. Priorität haben leicht erreichbare Fenster und Terrassentüren im Erdgeschoss und im Souterrain.

Montage nach RAL: innen dichter als außen

Ein gutes Fenster nützt wenig, wenn die Fuge zur Wand undicht ist. Die RAL-Gütegemeinschaft Fenster, Fassaden und Haustüren hat gemeinsam mit ift Rosenheim und den Handwerksverbänden einen Leitfaden zur Montage herausgegeben, zuletzt im April 2020. Er beschreibt den anerkannten Stand der Technik. Eine Norm oder gesetzliche Vorschrift dafür gibt es nicht.

Kernprinzip ist die Abdichtung in drei Ebenen:

  1. Innen: luft- und dampfdicht, zum Beispiel mit Folien oder Dichtbändern. So gelangt keine feuchte Raumluft in die Fuge.
  2. Mitte: Wärme- und Schalldämmung, etwa mit Dämmschaum. Schaum allein ist keine Abdichtung.
  3. Außen: schlagregendicht, aber diffusionsoffen, damit Feuchte nach außen entweichen kann.

Lass dir im Bauvertrag zusichern, dass die Montage nach dem RAL-Leitfaden erfolgt. Bei der Luftdichtheitsmessung (Blower-Door-Test) zeigen sich Fehler an den Fensteranschlüssen schnell.

Rollläden oder Raffstores

Außenliegender Sonnenschutz hält Hitze wirksamer draußen als innenliegender. Im Neubau planst du die Kästen am besten gleich mit ein, als Aufsatz- oder Vorbauelement. Richtwerte pro Fenster ohne Montage nennt das Portal Aroundhome (Stand April 2025):

AusführungPreis pro Fenster ohne Montage
Rollladen, manuell100 bis 250 Euro
Rollladen, elektrisch250 bis 400 Euro
Raffstore, manuell300 bis 600 Euro
Raffstore, elektrisch600 bis 1 200 Euro

Rollläden verdunkeln vollständig und schützen besser gegen Wind. Raffstores lenken das Tageslicht über verstellbare Lamellen, brauchen aber einen Windwächter. Für den Einbruchschutz gibt es geprüfte Rollläden ab RC 2. Elektrische Antriebe solltest du in der Elektroplanung berücksichtigen, unser Artikel zum Smart Home im Neubau zeigt, welche Leitungen sinnvoll sind.

Beispielrechnung: Kosten und Wärmeverlust

Ein Einfamilienhaus hat 30 m² Fensterfläche. Mit der Spanne der BHW von 280 bis 600 Euro pro Quadratmeter kosten die Fenster 8 400 bis 18 000 Euro, zuzüglich Montage. Kommen zwölf elektrische Rollläden zu je 250 bis 400 Euro dazu, sind das weitere 3 000 bis 4 800 Euro ohne Einbau.

Zum Wärmeverlust: Bei 20 Grad innen und 0 Grad außen beträgt der Temperaturunterschied 20 Kelvin.

Wie sich die Mehrkosten in deinem Gesamtbudget niederschlagen, kannst du im Baukostenrechner durchspielen.

Kurz gesagt: Im Neubau ist Dreifachverglasung mit einem Uw-Wert um 0,8 W/(m²K) Standard, Fenster kosten laut BHW 280 bis 600 Euro pro Quadratmeter plus Montage. Für erreichbare Fenster empfiehlt die Polizei RC 2. Lass die Montage nach dem RAL-Leitfaden zusichern und plane außenliegenden Sonnenschutz von Anfang an mit.

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Bauberatung. Zahlen und Regeln können sich ändern.

Über den Autor

Manuel Digeronimo plant und baut gerade selbst ein Einfamilienhaus. Aus diesem Projekt sind die Rechner und Planer von BetonBilanz entstanden. In den Artikeln schreibt er auf, was er dabei recherchiert und nachgerechnet hat. Mehr über BetonBilanz

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