Smart Home im Neubau vorbereiten: Kabel, Funk oder Bus?
Von Manuel Digeronimo · 12. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Rollläden per Zeitschaltung, Licht per App, Heizung nach Anwesenheit: Ein Smart Home kann vieles. Die Frage im Neubau ist weniger, ob du heute alles umsetzt, sondern was du jetzt vorbereiten musst, damit du später nicht Wände aufschlitzt. Grundsätzlich gibt es drei Wege: ein kabelgebundenes Bussystem wie KNX, ein Funksystem oder eine konventionelle Installation mit gezielter Vorbereitung.
Drei Wege im Überblick
| Ansatz | Funktionsweise | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|
| Bussystem (KNX) | Eigene Steuerleitung zu Tastern, Sensoren und Aktoren im Verteiler | herstellerübergreifend, stabil, ohne Funk und Cloud | deutlich höhere Kosten, Programmierung durch Fachbetrieb |
| Funk (Matter/Thread, Zigbee, herstellereigene Systeme wie Homematic IP) | Aktoren in Schalterdosen oder an Geräten, Steuerung per Funk | nachrüstbar, günstiger Einstieg, schrittweise erweiterbar | Batterien in Sensoren, Funkreichweite, Abhängigkeit von Herstellern |
| Konventionell mit Vorbereitung | Normale Schalter, aber Leitungen und Dosen so geplant, dass später Funk oder Bus möglich ist | geringe Mehrkosten, offen für später | Komfortfunktionen erst nach Nachrüstung |
Die Richtlinie RAL-RG 678 bildet das ab: Neben den Ausstattungswerten 1 bis 3 gibt es die Stufen 1plus bis 3plus. Die Stufe 1plus beschreibt die Vorbereitung für Gebäudesystemtechnik, die höheren Plus-Stufen eine umfangreichere Ausstattung.
KNX: das kabelgebundene Bussystem
KNX ist ein Standard für Gebäudetechnik, der seit über 30 Jahren existiert. Nach Angaben der KNX Association gibt es mehr als 500 Hersteller und über 8 000 zertifizierte Geräte, die herstellerübergreifend zusammenarbeiten. Programmiert wird mit der Software ETS, in der Regel durch einen Fachbetrieb.
Taster und Sensoren hängen an einer eigenen Busleitung. Die Lasten wie Licht, Steckdosen und Rollläden werden über Aktoren im Verteiler geschaltet. Das macht das System unabhängig von Funk und Internet, braucht aber mehr Kabel und einen größeren Verteiler. Über Gateways lässt sich KNX inzwischen auch an Matter anbinden, sodass du es zum Beispiel per Smartphone-App bedienen kannst.
Funk: Matter, Thread und andere
Matter ist ein offener Standard der Connectivity Standards Alliance, die erste Version erschien im Oktober 2022. Matter läuft über WLAN, Thread und Ethernet, die Einbindung neuer Geräte erfolgt per Bluetooth Low Energy. Thread ist ein Mesh-Funknetz innerhalb des Hauses, bei dem Geräte Signale weiterreichen.
Der Standard wird laufend erweitert. Matter 1.5 (November 2025) brachte einen einheitlichen Ansatz für Rollos, Vorhänge, Markisen und Tore sowie Funktionen für Energiemanagement und das Laden von Elektroautos. Matter 1.6 (Juni 2026) ermöglicht unter anderem die Einrichtung per NFC, auch bevor ein Wandschalter mit Strom versorgt ist. Wann diese Funktionen in Produkten ankommen, entscheiden die Hersteller.
Daneben gibt es etablierte Funksysteme wie Zigbee oder herstellereigene Lösungen wie Homematic IP. Sie funktionieren gut, binden dich aber stärker an eine Plattform. Für alle Funklösungen gilt: Aktoren in der Schalterdose brauchen Platz und oft einen Neutralleiter.
Was kostet ein Smart Home im Neubau?
Für KNX nennt der Elektrohandel Wandelt Mehrkosten von mindestens 50 bis 100 Prozent gegenüber einer klassischen Installation. Für ein Einfamilienhaus mit 120 bis 150 m² rechnen Installationsbetriebe demnach mit 15 000 bis 50 000 Euro. Für Funklösungen lassen sich keine belastbaren Pauschalen angeben, weil der Umfang sehr unterschiedlich ist und Geräte je nach Anbieter verschieden viel kosten.
Eine Beispielrechnung mit runden Annahmen: Die konventionelle Installation für 140 m² kostet 14 000 Euro.
- KNX: 50 bis 100 Prozent Aufschlag ergeben 21 000 bis 28 000 Euro, also 7 000 bis 14 000 Euro mehr.
- Funk später: Angenommen, du rüstest 20 Lichtschalter und 10 Rollläden mit Unterputz-Aktoren zu je 60 Euro nach, kostet die Hardware 1 800 Euro plus Zentrale und Montage. Diesen Preis musst du für deine Geräte selbst prüfen.
- Vorbereitung: Tiefe Dosen, Neutralleiter an allen Schaltern, Leerrohre und sternförmige Rollladenleitungen kosten einen Bruchteil davon, weil sie im Rohbau ohnehin verlegt werden.
Was du im Rohbau vorbereiten solltest
Egal, wofür du dich entscheidest: Die folgenden Punkte kosten im Rohbau wenig und sind später kaum noch nachzurüsten.
- Tiefe Schalter- und Gerätedosen: Funkaktoren sitzen hinter dem Schalter. In flachen Dosen ist dafür oft kein Platz.
- Neutralleiter an jeder Schalterstelle: Viele Unterputz-Aktoren brauchen eine dauerhafte Stromversorgung. Ohne Neutralleiter bleiben nur Sonderlösungen.
- Sternverkabelung der Rollläden: Jeder Rollladenmotor bekommt eine eigene Leitung zum Verteiler. Dann kannst du später zentrale Aktoren einsetzen, egal ob KNX oder Funk.
- Leerrohre: zu jedem Raum, zum Dach, zu Garage und Garten und zwischen den Geschossen. Durch ein Leerrohr lässt sich auch eine Busleitung oder ein Netzwerkkabel nachziehen.
- Netzwerk sternförmig: Ein zentraler Kommunikationsverteiler, von dem aus ein Netzwerkkabel in jeden Raum führt.
- Platz im Verteiler: Für Aktoren, Gateways und Netzteile. Plane großzügig Reserve ein, ein zusätzliches Verteilerfeld ist im Rohbau günstiger als ein Umbau später.
Was sich später nicht mehr nachrüsten lässt
Funkgeräte kannst du jederzeit ergänzen. Was fehlt, wenn die Wände geschlossen sind:
- Leitungen zwischen Schalterdose und Verteiler, also Busleitungen und sternförmige Rollladenleitungen.
- Der Neutralleiter in Schalterdosen, wenn nur ein geschalteter Außenleiter liegt.
- Die Dosentiefe, ohne den Putz aufzustemmen.
- Leerrohre in Decken und im Estrich.
- Zusätzliche Dosen für Präsenzmelder an der Decke, für Tür- und Fensterkontakte oder für Innenraumsensoren.
Plane die Positionen deshalb zuerst auf dem Grundriss. Im Elektroplaner setzt du Schalter, Lichtauslässe, Spots und Kabelwege und bekommst eine Stückliste. Daran erkennt dein Elektriker, wo tiefe Dosen und zusätzliche Leitungen nötig sind.
Smart Home und Energiemanagement
Ein Smart Home ist im Neubau zunehmend mit der Energietechnik verbunden. Wallbox, Wärmepumpe, PV-Anlage und Batteriespeicher sollen aufeinander abgestimmt laufen, etwa um Solarstrom selbst zu nutzen. Matter 1.5 hat dafür eigene Funktionen eingeführt: Geräte können Strompreise, Tarife und Prognosen empfangen und ihren Betrieb danach ausrichten, und das bidirektionale Laden von Elektroautos wird zertifizierbar.
Für die Planung heißt das: Lege Netzwerkkabel oder Leerrohre zu Wechselrichter, Speicher, Wärmepumpe und Wallbox. Funk ist an diesen Orten, oft im Keller oder in der Garage, häufig unzuverlässig. Ein Kabel ist dort die robustere Lösung, unabhängig davon, welches System du im Wohnbereich wählst.
Welche Lösung passt zu dir?
KNX lohnt sich vor allem, wenn du viele Funktionen dauerhaft und ohne Funk betreiben willst und das Budget dafür vorhanden ist. Funk passt, wenn du klein anfangen und schrittweise erweitern willst. Für die meisten Bauherren ist eine konventionelle Installation mit sauberer Vorbereitung ein vernünftiger Mittelweg: Sie kostet wenig mehr und lässt dir alle Wege offen. Auch Mischformen sind möglich, etwa KNX für Licht und Rollläden und Funkgeräte über ein Matter-Gateway für Ergänzungen.
Quellen
- KNX Association: KNX und Matter, Dezember 2024, abgerufen am 12. Oktober 2026
- Connectivity Standards Alliance: Matter Arrives, 4. Oktober 2022, abgerufen am 12. Oktober 2026
- Connectivity Standards Alliance: Matter 1.5, 20. November 2025, abgerufen am 12. Oktober 2026
- Connectivity Standards Alliance: Matter 1.6, 17. Juni 2026, abgerufen am 12. Oktober 2026
- Elektrohandel Wandelt: Was kostet eine Elektroinstallation im Neubau?, abgerufen am 12. Oktober 2026
- Baunetz Wissen: Installationsumfang und Ausstattungswerte (RAL-RG 678), abgerufen am 12. Oktober 2026
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Bauberatung. Zahlen und Regeln können sich ändern.
Über den Autor
Manuel Digeronimo plant und baut gerade selbst ein Einfamilienhaus. Aus diesem Projekt sind die Rechner und Planer von BetonBilanz entstanden. In den Artikeln schreibt er auf, was er dabei recherchiert und nachgerechnet hat. Mehr über BetonBilanz