Wie viele Steckdosen pro Raum? Richtwerte nach DIN 18015-2 und RAL-RG 678
Von Manuel Digeronimo · 12. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Zu wenige Steckdosen merkst du erst nach dem Einzug: Verlängerungskabel hinter dem Sofa, Mehrfachleisten am Schreibtisch, kein Anschluss für die Stehlampe. Nachrüsten ist im fertigen Haus teuer und macht Dreck. Deshalb lohnt es sich, die Anzahl vor dem Rohbau festzulegen. Dafür gibt es zwei Bezugsgrößen: die Mindestausstattung nach DIN 18015-2 und die Ausstattungswerte der Richtlinie RAL-RG 678.
DIN 18015-2 und RAL-RG 678: was die beiden regeln
Die DIN 18015-2 legt fest, was eine Wohnung mindestens an Steckdosen, Beleuchtungsanschlüssen und Stromkreisen haben muss. Die aktuelle Fassung ist die Ausgabe 2021-10. Sie ist die Grundlage für die RAL-RG 678, die die Fachgemeinschaft HEA herausgibt. Die Richtlinie liegt in der Ausgabe Februar 2023 vor und unterscheidet drei Stufen:
- Ausstattungswert 1 (ein Stern): Mindestausstattung, entspricht DIN 18015-2.
- Ausstattungswert 2 (zwei Sterne): Standardausstattung, mit der übliche Geräte ohne räumliche Einschränkung nutzbar sind.
- Ausstattungswert 3 (drei Sterne): Komfortausstattung mit Reserven für Kommunikation, Sicherheit und Automatisierung.
Dazu kommen die Varianten 1plus, 2plus und 3plus. Sie beschreiben zusätzlich die Vorbereitung bzw. Ausstattung mit Gebäudesystemtechnik, also einem Smart Home. Nach Angaben von Baunetz Wissen liegt der Aufwand für Ausstattungswert 2 bei etwa 125 Prozent und für Ausstattungswert 3 bei etwa 150 Prozent der Mindestausstattung.
Neu in der Ausgabe 2023 ist, dass offene Wohnbereiche berücksichtigt werden. Fasst du zwei Nutzungsbereiche zusammen, etwa Küche und Essbereich, verringert sich die Zahl der Steckdosen je Bereich um eine.
Tabelle: Steckdosen und Lichtauslässe Raum für Raum
Die folgenden Werte stammen aus der RAL-RG 678 (Ausgabe 2023) und dem Raumplaner der Initiative ELEKTRO+ (6. Auflage, September 2023). Angegeben sind die allgemeinen Steckdosen und die Beleuchtungsanschlüsse für die Ausstattungswerte 1 / 2 / 3.
| Raum | Allgemeine Steckdosen (1 / 2 / 3) | Lichtauslässe (1 / 2 / 3) | Weitere Anschlüsse (Wert 2) |
|---|---|---|---|
| Wohnzimmer bis 20 m² | 4 / 8 / 10 | 1 / 2 / 3 | 4 Steckdosen für TV/Internet, 1 Daten, 2 TV/Daten |
| Wohnzimmer über 20 m² | 5 / 11 / 13 | 2 / 3 / 4 | 8 Steckdosen für TV/Internet, 2 Daten, 3 TV/Daten |
| Schlafzimmer bis 16 m² | 6 / 8 / 10 | 1 / 2 / 3 | 3 Steckdosen für Kommunikation, 1 Daten, 1 TV/Daten |
| Schlafzimmer über 16 m² | 8 / 11 / 13 | 2 / 3 / 4 | 6 Steckdosen für Kommunikation, 2 Daten, 1 TV/Daten |
| Kinder- und Gästezimmer | wie Schlafzimmer | wie Schlafzimmer | wie Schlafzimmer |
| Küche | 3 / 3 / 5, plus je 1,20 m Arbeitsfläche 2 / 3 / 3 | 2 / 3 / 3 | Herd, Geschirrspüler, Dunstabzug, 2 Kühl-/Gefriergeräte |
| Bad | 2 / 4 / 5 | 2 / 3 / 3 | Abluftgerät bei Einzellüftung |
| Flur bis 4 m Länge | 1 / 2 / 3 | 1 / 2 / 2 | – |
| Flur über 4 m Länge | 2 / 3 / 4 | 2 / 2 / 2 | – |
| Arbeitszimmer | 4 / 8 / 12 | 1 / 3 / 4 | 6 Steckdosen für Kommunikation, 2 Daten |
| Terrasse, Balkon, Loggia | 1 / 2 / 3 | 1 / 2 / 3 | außen: Schutz gegen Feuchtigkeit beachten |
Wichtig: Die allgemeinen Steckdosen sind nicht alles. Die Richtlinie sieht an Fernseh- und Datenanschlüssen zusätzliche Steckdosen für Kommunikationsgeräte vor, etwa für Fernseher, Receiver und Router. Im Wohnzimmer über 20 m² kommen bei Ausstattungswert 2 zu den 11 allgemeinen also noch 8 solcher Steckdosen hinzu. Geräte mit eigenem Stromkreis wie Herd, Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner zählen ebenfalls extra.
Stromkreise nach Wohnfläche
Steckdosen und Licht werden auf mehrere Stromkreise verteilt, damit nicht das halbe Haus dunkel ist, wenn eine Sicherung auslöst. DIN 18015-2 nennt die Mindestzahl der Stromkreise für Licht und allgemeine Steckdosen:
| Wohnfläche | Mindestanzahl Stromkreise |
|---|---|
| bis 50 m² | 3 |
| über 50 bis 75 m² | 4 |
| über 75 bis 100 m² | 5 |
| über 100 bis 125 m² | 6 |
| über 125 m² | 7 |
Waschmaschine und Wäschetrockner bekommen immer eigene Stromkreise, ebenso Geräte ab etwa 2 kW Anschlussleistung. Bei Ausstattungswert 2 und 3 rechnet die Richtlinie zusätzlich mit Reserveplätzen im Verteiler.
Beispielrechnung: ein Einfamilienhaus mit 140 m²
Angenommen, du planst ein Haus mit 140 m² Wohnfläche nach Ausstattungswert 2. Die Räume: Wohnzimmer 30 m², Küche mit 3,60 m Arbeitsfläche, Schlafzimmer 15 m², zwei Kinderzimmer mit je 12 m², Arbeitszimmer, Bad, Flur mit 6 m Länge und Terrasse.
- Wohnzimmer über 20 m²: 11 allgemeine Steckdosen
- Küche: 3 allgemeine plus 3 × 3 für die Arbeitsfläche (3,60 m sind drei Abschnitte zu 1,20 m) = 12
- Schlafzimmer bis 16 m²: 8
- Zwei Kinderzimmer bis 16 m²: 2 × 8 = 16
- Arbeitszimmer: 8
- Bad: 4
- Flur über 4 m: 3
- Terrasse: 2
Das ergibt 64 allgemeine Steckdosen. Dazu kommen die Steckdosen an den Kommunikationsanschlüssen (im Wohnzimmer allein 8), die Anschlüsse für Großgeräte und Rollläden. Für 140 m² verlangt die DIN mindestens 7 Stromkreise für Licht und Steckdosen. Liegt dein Angebot deutlich darunter, frag nach, welche Ausstattungsstufe gemeint ist.
Doppel- und Dreifachsteckdosen richtig zählen
Die Hager-Erläuterung zur DIN 18015-2:2021-10 weist darauf hin, dass die Norm jeden Auslass einzeln benennt, statt Steckdosen per Fußnote doppelt aufzuführen. In Angeboten ist die Zählweise trotzdem oft unklar: Mal ist eine „Steckdose“ ein Steckplatz, mal eine Doppelkombination unter einem Rahmen. Lass dir deshalb schriftlich geben, wie gezählt wird. Am einfachsten vergleichst du Angebote anhand der Steckplätze.
- Neben dem Bett: je Seite eine Doppelsteckdose für Leuchte und Ladegerät.
- Am Fernseher: eine Dreifach- oder Vierfachkombination, dazu Daten- und TV-Dose.
- Am Schreibtisch: mindestens eine Dreifachsteckdose plus Netzwerkdose.
- In der Küche: über der Arbeitsfläche lieber Doppelsteckdosen als Einzeldosen.
Welche Höhe für Steckdosen und Schalter?
Die DIN 18015-3 nennt Vorzugshöhen: Steckdosen in der unteren Installationszone sitzen 30 cm über dem fertigen Fußboden, Schalter neben Türen 105 cm hoch. Über Arbeitsflächen in der Küche liegen Steckdosen und Schalter höher, abhängig von der Arbeitsplattenhöhe. Das hat einen praktischen Grund: Wer weiß, auf welcher Höhe Dosen sitzen, weiß auch, wo die Leitungen verlaufen. Mehr dazu liest du im Artikel über Installationszonen.
Abweichen kannst du trotzdem, etwa für Steckdosen auf Nachttischhöhe oder hinter einem Wandfernseher. Dann sollte die Leitung senkrecht aus der nächsten Installationszone kommen.
So überträgst du die Werte in deinen Grundriss
- Lege für jeden Raum fest, welchen Ausstattungswert du willst. Für ein Einfamilienhaus ist Wert 2 ein guter Ausgangspunkt.
- Stelle die Möbel in den Grundriss: Bett, Sofa, Schreibtisch, Fernseher, Küchenzeile.
- Setze Steckdosen dorthin, wo Geräte stehen, nicht dorthin, wo gerade Wand frei ist.
- Plane an jeder Tür einen Schalter, im Schlafzimmer zusätzlich am Bett.
- Zähle am Ende Steckplätze, Lichtauslässe und Anschlüsse und vergleiche mit der Tabelle.
Mit dem kostenlosen Elektroplaner kannst du Steckdosen, Schalter und Lichtauslässe direkt auf deinem Grundriss setzen und bekommst eine Stückliste. Wie das Schritt für Schritt geht, zeigt die Anleitung zum Elektroplaner. Die Stückliste kannst du dann mit dem Angebot deines Elektrikers abgleichen.
Quellen
- HEA: RAL-RG 678 Anforderungen an elektrische Anlagen in Wohngebäuden, Ausgabe Februar 2023, abgerufen am 12. Oktober 2026
- Initiative ELEKTRO+: Raumplaner Ausstattungswerte, 6. Auflage September 2023, abgerufen am 12. Oktober 2026
- Hager Tipp 21: DIN 18015-2:2021-10, Stand März 2023, abgerufen am 12. Oktober 2026
- Baunetz Wissen: Installationsumfang und Ausstattungswerte, abgerufen am 12. Oktober 2026
- Baunetz Wissen: Leitungsverlegung und Installationszonen (DIN 18015-3:2016-09), abgerufen am 12. Oktober 2026
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Bauberatung. Zahlen und Regeln können sich ändern.
Über den Autor
Manuel Digeronimo plant und baut gerade selbst ein Einfamilienhaus. Aus diesem Projekt sind die Rechner und Planer von BetonBilanz entstanden. In den Artikeln schreibt er auf, was er dabei recherchiert und nachgerechnet hat. Mehr über BetonBilanz